Bevor die Ruhe kam


Selten entsprang meinem Geist soviel an Lethargie wie jetzt in dieser Phase. Ungefestigt in meinen Gedanken und ?berzeugungen, so leicht schwankbar meine Wesensstruktur. Soviel Ver?nderung, soviel Unruhe, soviel was es st?ndig zu tun gibt. Ich lasse mich befl?geln, genie?e das Leben exzessiv wie essentiell. Kennst du das Fl?stern in deinem Kopf, nachts, wenn das bunte Leben von schwarz-grauen Schatten ?berzogen ist und du am Fenster stehst, alle Lichter der Stadt scheinen gel?scht und nur du an diesem Fenster bist das kleine warme Zentrum, so verloren und doch in der Dunkelheit der funkelnde, heimrufende Gedanke. Ich m?chte mich nicht mehr plagen. Ich m?chte mich nicht mehr fragen wie es weiter geht sondern ich m?chte wollen das es weiter geht. Ich m?chte eine Hand, die es zu halten wert ist und die meine ebenso fest h?lt. Ich m?chte fliegen und standhaft werden und all das hier aufgeben f?r ein besseres Morgen in dem ich anfange das zu tun was ich mir w?nsche. Ich gehe oft durch die Stra?en und blicke in die Gesichter der Menschen und versuche zu erahnen wer sie sind, in wie weit sie sich von mir unterscheiden oder ich mich von Ihnen. Ich versuche die Welt zu verstehen und w?hrend ich noch stehe und starre dreht sie sich schon schnell und bunt weiter und ich springe auf und mir schmerzt fast der Kopf von all den Bildern, von all den Stimmen, all den Menschen. Ich bin nur einer von Ihnen.
Ich hab mich immer ferngehalten, von dieser Welt. Vielleicht in weiser Voraussicht, das Chaos erwartend. Und doch dr?ngt mich mein Gl?ck und meine Euphorie. Meine Liebe mich zu verlieren, gibt mir ein St?ck weit die Best?ndigkeit, der ich so nachjage und sie nicht greifen kann, weil ich der Treibende bin. So ungest?m, so vielf?ltig. Ich will all den Wegen folgen, die mich locken und die mich t?richt erscheinen lassen, Wege die mich weiser machen auf meiner Suche. Und so laufe ich ungebremst in all die Feuer, in denen ich brenne, mit Ihnen brenne und meine Wunden daraus verheilen irgendwann zu Narben. Meine Zeichen, meine Warnungen und meine Mauern sind sie und ich seufze in den Erinnerungen. Wie ein Schwarz-wei? Film der ?ber die Zeichen der Zeit flackert und sich verliert, verschwimmt und zu Umrissen wird. Ich kann meine Verg?nglichkeit nicht aufhalten, aber in meinem Geist bin ich nicht gefangen, bin ich frei. Und ich werde alles wissen, wie an dem Tag an dem ich rein diese Welt erblickte.
Ich kann es nicht aufhalten, und all die Zeit die mir verloren geht und mich gr?beln l?sst ?ber die Entscheidungen die ich treffe, machen mich m?rbe. In so manchen N?chten waren meine Tr?nen voller Sehnsucht, davonzulaufen und ein anderer Mensch zu sein.
Ich stecke in einer Phase tiefster Selbstfindung, manchmal liege ich einfach nur apathisch auf meinem Sofa und beobachte mein Zimmer, wie einen Ort an dem die Zeit stehen bleibt, wann immer ich es will. Und ich sehe wie die Zeiger meiner Uhr langsam und unaufh?rlich weiter ticken und w?hrend alles noch steht sind so viele Jahre vergangen. Wenn man ?lter wird zieht man sich ?fter zur?ck in Ruhephasen, in diese gute Stagnation, in der jedes Ger?usch, jedes Wort, jede Information zuviel ist, wie ein drohender overload. Man schaltet sich ab, beginnt zu sinnen, ja selbst schwer zu atmen, wie im Tiefschlaf. Als ich noch j?nger war, dachte ich immer von all dem verschont bleiben zu k?nnen, das es mich nicht trifft, das ich bis an mein Lebensende in dieser heimischen Glaskugel sitze und an Feen und M?rchen glaube. Ich dachte vielleicht bin ich die Auserw?hlte und es wendet sich am Schluss immer alles zum Guten. Das mir die Wunden der Entt?uschung ?ber andere und ?ber mich erspart bleiben. Das ich nicht wei? wie es ist zu scheitern. Ich h?re nur das Summen des K?hlschranks und ab und zu das aufheulen eines Motors drau?en auf der Stra?e. Ansonsten bin ich hier allein und sicher in diesem Bunker. F?r heute geschlossen. Ich bin fast panisch in der Angst jemand k?nnte mich heute ansprechen oder gar noch Erwartungen an mich richten. Ich sp?re meine Aura, meinen K?rper, ganz deutlich. Ich bin entspannt und doch rasen meine Gedanken wie Stromblitze wild umher. Ich w?re nicht mal in der Lage Musik zu h?ren. Ich glaube ich w?rde es schaffen, meine Leidenschaft heute damit zu zerst?ren. Meine Musik zu h?ren ohne den Zugang oder ein Gef?hl dazu. Mein Bed?rfnis ist Ruhe und ich f?hle mich so sicher und so leblos im Moment. Als w?rde ich Winterschlaf halten oder etwas ausbr?ten. Dann aber etwas Gro?es. Etwas Gigantisches was mich in diesem Sog mitrei?t, mein Sprungbrett um wieder aufzuspringen. Doch mich beschleicht das Gef?hl das alles in mir sich noch wehrt, noch nicht wieder fort will, rastlos, wie der Wanderer der ich immer war. In Unruhe gehetzt von einem ins andere, heute hier morgen dort. Ich habe mir nie die Zeit genommen hinzuschauen anstatt es nur zu bewundern, es neu und toll zu finden. Nein, ich hab nicht hingesehen. Viel sp?ter erst, kam es dazu. Da hab ich auch diese Ding mit den Ruhephasen entdeckt. Nach Zeiten von extremer Ver?nderung und Stress ziehe ich mich zur?ck und halte Winterschlaf, bis ich wieder Lust auf das Leben habe. Und bis dahin widme ich mich meiner geistigen Welt, in die ich so gern fl?chte und die ich brauche als meinen Halt vor der Normalit?t, der Abgekl?rtheit, der Professionalit?t. Ich will noch staunen k?nnen, damit ich mich entwickeln kann, damit ich nicht stehen bleibe und glotze. Und genauso ?ber alles was wei?. Ich finde das furchtbar und erb?rmlich. Es gibt nichts erb?rmlicheres als jemand der immer von allem irgendwas wei?. Wen interessiert das. Er ist kein Laie aber auch kein Experte, so was wie ein Meister in Ausbildung. Und von solchen Leuten kriegen wir die meisten Informationen. So eher am Rande, diese T?rgespr?che, diese eine Formulierung im Satz, die abweicht. Und das f?llt unsere Gedanken ob wir es wollen oder nicht. Du f?hrst im Auto und w?hrend du gerade das Tape wechselst t?nt dir der schrecklichste, monotonste Bausteinkastenprinzipsong um die Ohren. Und die Melodie ist so verdammt beschissen eing?ngig, das du es dann zur Strafe als Mitglied der modernen Welt den ganzen Tag im Kopf hast. Es ist grausam. Es brennt sich ein in deinen Kopf. Wie all die Bilder, all die Normalit?t jeden Tag, wenn man es nur wei? zur Gewohnheit zu machen. Dieses st?ndige Chaos das mich umzingelt hat zieht mich in einen Strudel voll Beklommenheit. Wehrlosigkeit.
Diese Ruhephase ist keine. Es ist eher eine Art Ruhe vor dem Sturm. Ein Sturm des Lebens, der mich taumelnd macht und weiser auf meinem Weg. So muss ich mich doch h?ten mich auf die richtige Seite zu schlagen, bis ich angekommen bin, mit mir in Reinheit, in Ruhe. Noch bin ich ein Fl?chtling vor der ?u?eren Welt. Noch erwartet mich der Sturm, in den ich mich st?rze und von dem ich mich mitrei?en lasse. Und jener Sturm der sich anbahnt in jener Ruhe, in jener Stagnation in der ich mich befinde, ist ein Kind der Ewigkeit. Und die Einblicke die es mir gew?hrt, lassen mich noch fl?chten. Doch es ruft unaufh?rlich in meinem Kopf, in meinem Geist. Ich h?re es fl?stern von der Ferne. Und kaum das ich gewahr werde, dessen dem ich lausche in der Spannung in der Unwissenheit, fl?stert es fortw?hrend und dringt durch meinen Geist, sickert ein in die Seelenwelt, tr?nkt und n?hrt mich. Und ich lausche angestrengt bis ich es klarer h?re. Bis ich h?re was ich wei?. Und es fl?stert : ?Bevor die Ruhe kam, gab es Leben zu leben!?

21.2.06 11:09

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